Autorenseelchen

Manchmal frage ich mich warum man sich den Wunsch antut, Geschichten veröffentlichen zu wollen. Man weiß ja vorher, dass man persönliche Enttäuschungen dabei wegstecken muss. Die lassen sich nicht vermeiden. Etwas expliziter heißt das, ich habe mal wieder eine Absage bekommen. Eigentlich eine gute Absage, die nicht nur begründet sondern dazu noch sehr ausführlich ist, aber uneigentlich sind Absagen nie gut. Schon gar nicht wenn sie beweisen, dass man wirklich über Themen schreibt, die sich einfach nicht verkaufen lassen. Eine Situation gut einschätzen zu können, soll ja positiv sein, aber zu wissen, dass es da jenseits der eigenen pessimistischen Einschätzungen nicht doch noch ein Fünkchen Hoffnung gibt, ist schon ein frustrierender Gedanke.

Jedenfalls möchte ich jetzt wirklich von niemandem mehr hören, ich würde einfach toll schreiben. Es ist ein schönes Komliment, wirklich, aber es es hilft mir nicht weiter, und es ist noch frustriernder zu wissen, wie viele Menschen glauben, es sei so einfach, das Autorenseelchen zu hätscheln. Die Spirale zwischen Herzblut und der Suche nach Anerkennung wird so schmerzhaft, weil man außer sich selbst niemandem Fehler anlasten kann, und ‘gut sein’ ist sowieso nicht der Punkt, um den es in der Hauptsache geht.

Über horrorschau

Ich? Ich bin bloß eine arme Irre. Und Autorin. Zeige alle Beiträge von horrorschau

10 Antworten zu „Autorenseelchen“

  • Nadine

    Hm. Es macht die Sache wahrscheinlich nicht besser, wenn ich dir bestätige, wie frustrierend es ist, für diesen ersten kleinen Schritt eine Zusage zu erhalten und dann mehr als zwei Jahre lang trotzdem weiter Absagen zu kassieren.

    Mit “richtig gut Schreiben” hat es nicht immer zu tun, das stimmt. Man muss einen bestimmten Nerv treffen, etwas, das bei einem Lektor hektische Hyperventilation auslöst. Meinem nächsten Exposé werde ich deshalb einen Elektroschocker beilegen oder das Papier mit Belladonna einstreichen.
    Aber es lohnt sich auch nicht, schwülstige Sachen zu schreiben. Liegt uns beiden nicht, oder?

    Darf ich dich dennoch bei all der Schwärze, die dich gerade an sich zieht, um einen Gefallen bitten? Schick den Roman an Klett-Cotta. Da passt er meines Erachtens hin.

    Aber viel wichtiger als doofe Ratschläge ist: Lass dich ganz fest umarmen. Eigentlich labere ich, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll.

  • horrorschau

    Danke, du bist lieb!

  • Maja

    Ich knuddel dich auch mal ganz fest. Absagen sind nie was schönes, und ich glaube dir, daß du schon oft genug bestätigt bekommen hast, was für ein großes Talent du bist und dir nichts dafür kaufen kannst. Ich schließe mich Nadines Vorschlag an, den direkten Weg zu versuchen. Das Buch ist einfach zu gut, um nicht auf jedem erdenklichen Weg versucht zu werden.

    • horrorschau

      Dankesehr *zurückknuddel*. Eines Tages werde ich bestimmt noch auf höherem Niveau jammern können. Und bis dahin bleibt mir halt nur der Weltschmerz ;) .

  • yambwi

    Kennst du mich noch? :)
    Ich wollte dir nur sagen, dass ich dich nur zu gut verstehe. Es ist sehr frustrierend, selbst genau zu wissen, was man kann, und erkennen zu müssen, dass es darauf überhaupt nicht ankommt. Dass die Absagen daran liegen, dass man zu originelle Ideen hat, nicht “Mainstream” ist. Und dass man wahrscheinlich nie “Mainstream” sein wird, was die Chancen langfristig auch nicht gerade verbessert.
    Ich habe zwei Jahre gebraucht, um zu erkennen, dass ich meine Geschichten trotzdem schreiben will, auch wenn sie wahrscheinlich nie jemand lesen wird.
    Und im Grunde meines Herzens bin ich wohl auch völlig unbelehrbar. Wenn ich vom Verstand her längst begriffen habe, dass ich wahrscheinlich nie Schriftstellerin sein werde, glaubt ein Teil von mir noch immer daran. Ich weiß nicht, ob das tröstlich für dich ist, abgesehen davon, dass du nicht allein frustriert bist.

    Liebe Grüße, Coppi

  • yambwi

    Das hätte ich eigentlich in der vorigen Antwort noch schreiben sollen, aber es fiel mir erst auf, als ich deinen Text noch mal gelesen habe: Du schreibst, dass man niemandem außer sich selbst die Fehler anlasten kann, wenn man als (Möchtegern)autor keinen Erfolg hat. Wenn ich dich richtig verstanden habe und es um “Fehler” in diesem Zusammenhang geht, denke ich inzwischen nicht mehr, dass man sie sich das selbst anlasten kann. Es geht meiner Meinung nach nicht um Fehler, sondern um Pech. Man ist zur falschen Zeit am falschen Ort, man kann nicht das leisten, was andere gern hätten, aber es ist auch oft sehr schwer zu erkennen, was das denn nun genau sein sollte. Vielleicht wäre alles ganz anders, wenn die Umstände anders wären, aber sie sind es nicht. Pech ist vielleicht noch schlimmer zu akzeptieren, weil “Fehler” implizieren, dass man sich verbessern kann oder etwas anders machen kann, damit es beim nächsten Mal klappt. Aber ich fürchte, diese Möglichkeit ist oft gar nicht gegeben. Man hat sein Bestes gegeben, man hat keine Fehler gemacht. Auch die anderen machen keine Fehler. Pech ist die ignoranteste Sache der Welt.

    • horrorschau

      Aber ja, ich weiß noch wer du bist! Danke für deine Worte. Als meine ‘Fehler’ sehe ich die Dinge, von denen ich wusste, dass ich sie noch ändern wollte, bevor ich das komplette Manuskript verschickt habe (die Punkte stehen eigentlich alle in der Absage), und natürlich frage ich mich, ob die Sache nicht anders gelaufen wäre, wenn ich mir ein bisschen mehr Zeit genommen hätte, das auszubügeln. Der Hauptgrund für die Ablehnung ist aber ein anderer. Nicht einmal, dass ich nicht ‘Mainstream’ genug bin (damit könnte ich fast noch leben, das kann man beim nächsten Mal anders machen), das Thema soll sogar voll im Kommen sein. Das Probelm ist viel komplexer, als dass man es bloßes ‘Pech’ nennen könnte, und das finde ich um ehrlich zu sein noch viel frustrierender – ohne jetzt rumjammern zu wollen. Ich fange mich ja schon wieder.

  • yambwi

    Ich freu mich über deine Antwort. :) Manchmal vermisse ich den Tintenzirkel schon sehr.
    Ich kenne ja nun den eigentlichen Grund für die Ablehnung nicht (bin ja auch gaaar nicht neugierig), aber wenn du schreibst, dass man viele Dinge beim nächsten Mal anders machen kann und dass du bei einigen Dingen damit gerechnet hast, dass es noch als verbesserungswürdig empfunden wird, klingt das doch eigentlich recht ermutigend. Ich hoffe daher, dass das Problem nicht alles betrifft, was du schreibst, und dass es beim nächsten Mal anders läuft!

  • RomyWolf

    Ach Lavendel, das tut mir echt leid :(

  • Calysta

    Gut, dass ich nicht nachgefragt hatte. Ich will auch nicht weiter in den Wunden bohren – dafür mag und schätze ich dich zu sehr.
    Du bist sehr analytisch und erkennst Fehler, wenn du sie siehst. Ich weiß das Warum nicht und ich werde auch nicht danach frage oder gar gut gemeinte Ratschläge geben – denn das Gegenteil von Gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.
    Ich kann dir nur sagen, dass du etwas Besonderes bist. Eine ganz große Persönlichkeit. Jetzt mag es noch Schmerzen (und das soll es auch, weil sonst war es nichts Besonderes), aber irgendwann wird es nachlassen und dann weißt du, was du zu tun hast. Ich bin mir sicher, dass dir nicht noch einmal so etwas unterlaufen wird.
    Woher weiß ich das so genau? Ganz einfach: weil du du bist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.